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Theaterkartei mit theaterpädagogischen Übungen

Die Theaterkartei von Nina Englisch-Peterschewski, Regisseurin der plattdeutschen Jugentourneebühne "Wellenbrekers", bietet viele Übungen, die lebendige und motivierende Einstiege in das Theaterspiel darstellen. Sie sind für Kinder ab der 3. Klasse und für Jugendliche geeignet.

 

 

Download der Theaterkartei:

 

 

 

1. Keen büst du denn?- Spiele zum Kennenlernen/ Gruppenfindung

1.1 Abklopfen

Alle stehen im Kreis. Der Spielleiter erklärt die nächsten Schritte und macht die Bewegungen vor  (dies geht  gut auf Plattdeutsch, da die Sprache durch die Bewegungen unterstützt wird).

 

Zuerst klopft sich jeder selbst mit der rechten Hand den linken Arm von der Schulter abwärts aus. Die Finger können dabei ausgestrichen werden. Dann klopft man wieder hoch zur Schulter, von dort geht es über die Brust zum rechten Arm weiter. Anschließend wird über den Bauch, die Hüften, runter zu einem Bein und danach zum anderen geklopft. Die Füße (so gut es mit Schuhen geht) werden massiert. Zum Schluss klopft man nochmal den ganzen Körper von unten nach oben ab, bis man wieder gerade steht. Der Kopf wird massiert und man kann leicht mit den Fingerspitzen auf den Kopf trommeln. Dann werden die Ohren geknetet und das Gesicht massiert, wobei auch laut gegähnt werden darf.

 

Variation für Gruppen, die sich schon gut kennen:

Die Spielenden klopfen sich gegenseitig ab. Hierfür bildet man einen Stehkreis und alle drehen sich

nach links. Nun klopft jeder seinen Vordermann ab.

 

Ziele:

• gemeinsames ankommen

• den Alltag abklopfen

• sich entspannen

 

 

 

1.2 Begrüßungslauf

Alle Personen gehen !!! kreuz und quer durch den Raum. Jeder für sich, ohne mit jemanden zu sprechen.

Der  Spielleiter gibt (auf Plattdeutsch) vor, wie sich die Personen, wenn sie aufeinander treffen, begrüßen.

Beispiele:

- mit den Ellenbogen begrüßen

- mit dem Po begrüßen

- mit der rechten/linken Fußinnenseite begrüßen

- mit dem Knie begrüßen

- mit der Schulter begrüßen

- in 30 Sekunden allen die Hand schütteln

 

Ziele:

• erster Kontakt zu den Mitspielenden

• Körperwahrnehmung schulen

• darauf achten, den anderen nicht zu grob zu berühren

• Auflockern

 

 

 

1. 3 Begrüßungskreis: Ik bün …

Alle stehen im Kreis. Eine Person geht in die Mitte, nennt den eigenen Namen und macht eine Bewegung dazu („Ik bün … ). Anschließend geht sie wieder auf ihren Platz im Kreis zurück. Alle anderen gehen jetzt gemeinsam in die Mitte, sprechen den Satz („Ik bün…) und machen die eben gezeigte Bewegung nach und gehen auf ihre Plätze zurück.  Dann ist die nächste Person im Kreis dran.

Variation: Ik bün … un ik sitt an'n leevsten so …

Alle stehen im Kreis. Eine Person geht in die Mitte, nennt den eigenen Namen und zeigt, wie sie am liebsten sitzt („Ik bün … un ik sitt an'n leevsten so“) Anschließend geht siewieder auf ihren Platz im Kreis.  Alle anderen gehen jetzt gemeinsam in die Mitte, sprechen den Satz („Ik bün…) und machen die eben gezeigte Sitzhaltung nach, dann ist die nächste Person im Kreis dran.

 

Ziele:

  • Kennen lernen der Namen
  • Körperwahrnehmung
  • Erster Sprachkontakt
  • ·Abbau von Spielhemmungen
  • · Erste Präsentation

 

 

 

1.4 Dat Gummiband

Es werden 2-er Teams gebildet. Jedes Paar bekommt ein Gummiband (Haushaltsgummi/ Länge ca. 140 cm). Die Partner halten nun das Gummiband  in der Höhe des Bauchnabels zwischen Daumen und Zeigefinger fest. Das Gummiband sollte immer durch gespannt bleiben (nicht zu fest, aber auch nicht durchhängend). Die Partner bewegen sich nun, ohne zu reden, mit dem gespannten Gummi durch den Raum. Verständigungen über die Richtung werden nur über die Blicke oder das genaue Erspüren ausgetauscht.

Achtung: Alle Paare machen diese Übung gleichzeitig im Raum. Es ist wichtig, dass alle langsam gehen und alle Mitspieler immer im Blick haben.

Ziel:

·         Wahrnehmung des Partners und der Gruppe

·         Erster Kontakt zu Mitspielern

·         Wahrnehmen des eigenen Körpers/ eigenen Bewegungsabläufe

 

 

2. Röög di – Spiele zum Aufwärmen und zur Konzentration

2.1 Blickrunde

Alle sitzen im Kreis. Der Spielleiter beginnt dem Nachbarn in die Augen zu gucken und zu schauen, wie es der anderen Person geht. Dabei wird nicht gesprochen. Dann wird der Blick von einer Person zur nächsten weitergegeben, bis er wieder bei dem Spielleiter ankommt.

Ziele:

• sich gegenseitig wahrnehmen

• sich trauen, dem anderen in die Augen zu schauen und dies einen Moment lang auszuhalten

• Empathie

 

 

 

2.2 Klatschkreis

Alle stehen im Kreis. Der Spielleiter gibt einen Klatsch (1x in die Hände klatschen) an den Nachbarn weiter. Dann wird der Klatsch an die nächste Person weiter gegeben, bis er beim Spielleiter wieder ankommt. Dabei wird nicht gesprochen.  Dann wird der Klatsch erneut weitergegeben. In dieser Runde darf er aber auch zurück in die andere Richtung gegeben werden.

Achtung: Die Spieler müssen auf zwei Beinen stehen, die Füße schulterbreit auseinander, der Oberkörper muss sich beim Hin-  und Zurückgeben des Klatsches mit drehen. Die Spieler müssen sich dabei in die Augen sehen. Dies erfordert etwas Übung. Der Klatschkreis eignet sich gut als Warm-up-Ritual.

Ziele:

·         sich gegenseitig wahrnehmen

·         sich trauen, dem anderen in die Augen zu schauen und dies einen Moment lang auszuhalten

·         Empathie

·         Konzentration

·         Gefühl für die eigenen Bewegungen entwickeln

 

 

 

2.3 Spiegelübung

Material: CD und Musikrekorder

Es werden Paare gebildet, die die Aufgabe haben, sich zu spiegeln. Vorher legt jedes Paar fest, wer zuerst der Spiegel ist und wer zuerst die Bewegungen vormacht. Hierbei ist es wichtig, sich sehr langsam zu bewegen, damit die andere Person die Übungen so mitmachen kann, dass man als Zuschauer nicht  mehr merken würde, wer spiegelt und wer Bewegungen vorgibt. Durch ein Zeichen des Spielleiters wird getauscht. Anschließend könnten die Paare ihre Übung den anderen präsentieren.

Variation:

Die Spielenden bewegen sich in einer Schlange durch den Raum. Die erste Person in der Schlange gibt die Art und Weise vor, wie die Spielenden sich durch den Raum bewegen sollen. Es wird versucht die Bewegungen so genau wie möglich nach zu machen.

 

Ziele:

• Körperwahrnehmung

• langsames Bewegen

• aufeinander achten

 

 

 

 

3. Wat is eene Bühn un wat maakt so´n Regisseur?

Material: Papier, Bleistift, Hut oder Schüssel

Regieanweisungen zu verstehen, ist ein wichtiger Schritt auf dem Weg zu einer Inszenierung, denn nur so weiß ein Spieler, wohin er auf der Bühne gehen soll.

Dieses Spiel lässt sich am besten auf einer Bühne spielen. Wenn keine Bühne vorhanden ist, kann auch ein großer, freier Platz ausgewählt werden. Dort wird dann bestimmt, wo die hintere Begrenzung der Bühne und wo der Zuschauerraum sein soll.

Die Richtung wird immer aus dem Blick des Regisseurs angegeben!

 

Hinten links

(achtern links)

 

 

 

Hinten

 Mitte

( Midde, achtern)

Hinten rechts

(Achtern rechts)

 

 

Bühnenmitte links

(Midde von de Bühn, links)

 

 

 

Mitte der Bühne

(Midde von de Bühn)

 

Bühnenmitte rechts

(Midde von de Bühn, rechts)

 

Vorne

links

(Vörn links)

Vorne Mitte

(Midde vörn)

Vorne

rechts

(Vörn

rechts)

 

 

Zuschauerraum (Tokiekers)

Regisseur (Speelbaas)

 

 

Der Spielleiter (oder alle Mitspieler gemeinsam) beschriftet die Zettel mit den o.a. Bezeichnungen der Bühne. Diese Zettel werden in dem Hut/ der Schüssel gemischt. Ein Mitspieler wird zum Regisseur ernannt, alle anderen sind Spieler und stellen sich auf die Bühne.

Ziele:

·         Bühnenraum entdecken

·         Regieanweisungen kennen lernen und umsetzen

·         Wahrnehmung der Gruppe, aufeinander achten

 

Der Regisseur zieht jeweils einen Zettel und liest die Regieanweisungen vor. Alle anderen Spieler bewegen sich an die Stelle der Bühne , die der Regisseur vorliest.

Achtung: Das Spiel ist anspruchsvoll für jüngere Kinder, da die Spieler sich zunächst in die Perspektive des Regisseurs versetzen müssen, um die Anweisungen korrekt auszuführen.

 

 

 

4. Snack di ut – Übungen für die Stimme und Artikulation

4.1 Ma-Me-Mi

Alle Personen stehen im Kreis. Um der Stimme die Möglichkeit zu verleihen, sehr laut zu sein, stellen

sich alle gerade hin, die Füße hüftbreit auseinander und der Kopf geradeaus in Richtung Kreismitte.

Alle summen „Ma“ und machen dazu die Arme langsam vom Brustkorb zu den Körperseiten auf. Nun

wird ein „Me“ gesummt und dazu werden die Arme in entgegengesetzter Richtung (einer nach oben,

einer nach unten) bewegt. Beim „Mi“ werden die Arme nach vorn und dann zu den Seiten bewegt, beim„Mo“ wird mit den Armen ein „O“ vorm Körper geformt und beim „Mu“ bewegen sich die Arme an denSeiten des Körpers nach unten.

Ziele:

Lockerung der Stimme und des Körpers

gemeinsames Ankommen in einem Raum

 

 

 

4.2 Unterschiedliche kleine Stimmübungen zur Lockerung

  • “Baum im Wind”: die Arme heben und auf “s” ausatmen (beim Ausatmen ein langes “s” sprechen)
  • “Recken am Morgen”: sich recken und strecken und dabei “wam” und “wom” sagen
  • “O” singen und dabei den Körper mit hängenden Armen nach vor und zur Seite schwingen

    lassen und dann wieder in eine normale Position bringen

  • “O” singen und dabei den Körper mit hängenden Armen nach vor und zur Seite schwingen lassen und dann wieder in eine normale Position bringen
  • Kausilben: mit offenem Mund Kaubewegungen ausführen und dabei kurze Silben sprechen, in denen “au”, “a”, und “u” vorkommen: mjum, mjaum, u.ä. Führt oft zum Gähnen, dabei wird der Mundraum geweitet
  • Gähnen: dabei wird die Mundhöhle geweitet und es stellt sich ein Normalstand der Atmung ein
  • Lippenabhub: wie kleine Kinder die Unterlippe mit dem Finger abheben und “bababa” sagen, dann folgende Kombinationen ohne den Finger mit aufgeblähten Lippen sprechen: “bababa bobobo bububu”, “blablabla blobloblo blublublu”, “blamblamblam blomblomblom blumblumblum”, “bam bom bum”, “blam blom blum” und “bla blo blu”

 

Ziel:

• Auflockerung

 

 

4.3 Das ist ein Stift

Rhythmisierter Dialog mit dem Nachbarn im Kreis. Ein Gegenstand wird dabei weitergegeben. Folgender Dialog läuft dabei ab:

 

Person A sagt: „Dat is een Sticken (Stift).“ 

Person B: „Een wat?“

Person A: „Een Sticken.“

Person B: „Een wat?“

Person A: „Een Sticken.

Person B: „Aha, een Sticken.“

 

Fortführung mit verschiedenen Gegenständen, die auch umbenannt werden können.

Variationen:

  • Es werden mehrere Dinge parallel im selben Rhythmus nach dem oben dargestellten Prinzip weitergereicht (z.B. „Dat is een Schoh!“).
  • Es wird neben dem Rhythmus auch auf die Stimmung des Gesagten geachtet.
  • Der Dialog wird in verschiedenen Emotionen gesprochen.

 

Ziele:

  • Rhythmusgefühl
  • Sprachgefühl
  • Konzentration
  • Bezug im Dialog herstellen
  • Einleitung ins freie Sprechen und Agieren
  • Spiel mit Ausdrucksmöglichkeiten und sensibilisierte Wahrnehmung der einzelnen Personen

 

 

5. Improvisationsübungen

5.1 Untergründe laufen

Alle Spielenden laufen durch den Raum. Die Spielleitung gibt nun unterschiedliche Untergründe vor, auf denen die Spieler laufen. Diese sollen  in Körperhaltung, Gestik und Mimik ausgedruckt werden. Der Spielleiter friert die Spieler nach jede Untergrund in ihrer Haltung ein (Standbild – Wie ein Foto). Danach gehen die Spieler locker weiter durch den Raum, bis der nächste Untergrund angesagt wird.

Es empfiehlt sich, die Übung zweisprachig anzuleiten: „Op een Straat – auf der Straße“, …

 

Beispiele:

- Straße/ Asphalt

- Wiese mit frischem Gras

- Strand/ Sand

- Watt/ Matsch

- Felsen

- Wackelpudding

 


5.2.Situationen laufen

Alle Spielenden laufen durch den Raum. Die Spielleitung gibt nun unterschiedliche Situationen vor, die in Körperhaltung, Gestik und Mimik ausgedruckt werden sollen. Der Spielleiter friert die Spieler nach jeder Situation in ihrer Haltung ein (Standbild – Wie ein Foto). Danach gehen die Spieler locker weiter durch den Raum, bis die nächste Situation angesagt wird.

 

Beispiele:

  • Du bist auf dem Weg zur Schule und es fängt an zu regnen. / Du büst op´n Weg nah de School und dat fangt an to regen.
  • Deine Mutter hat deinen Lieblingspulli verschenkt/ Diene Mudder hett dien „Lieblingspulli“ wegschenkt.
  • Du weißt, wo die Weihnachtsüberraschungen versteckt sind und deine Mutter ist nicht zu Hause!/ Du weest, wo de Wiehnachtsöverraschungen versteken sünd, un diene Mudder is nicht to Huus.
  • Du bist in der Sahara und hast kein Wasser mehr./ Du büst in de Sahara un hest keen Water mehr.

 


5.3 Gefühle laufen

Übung anleiten wie 5.1 und 5.2.

Unterschiedliche Gefühle in die Gruppe geben:

 

Beispiele:

- glücklich/ glücklich

- wütend/ füünsch

- neugierig/neeschierig

- traurig/ truurig

- entspannt- zufrieden/ tofreden

- müde/ mööd

- dynamisch- Fit wie ein Turnschuh/ Fit as´n Turnschoh

 

Ziele Übung 5.1- 5.3:

• Ankommen in der Gruppe

• Einfühlen in unterschiedliche Situationen

• erste Spielansätze

 

 

6. Nu geiht‘ na Huus hen – gemeinsamer Abschluss

6.1 Gordischer Knoten

Die Spieler stehen im Kreis. Auf ein Zeichen der Spielleitung gehen alle in die Kreismitte, stellen sich dort eng zusammen, schließen die Augen und halten ihre Hände nach oben. Die leitende Person verbindet nun die Hände aller miteinander. Sind alle Hände verbunden, können die Spielenden die Augen wieder öffnen, ohne die Hände los zu lassen. Sie versuchen nun den entstandenen Knoten so zu lösen, dass am Ende ein Kreis bzw. ein Ring entsteht.

 

Ziele:

• Zusammenhalt

• Gemeinsamer Ausklang der Arbeitseinheit



6.2 Rakete

Alle Teilnehmenden kommen im Kreis zusammen und gehen in die Hocke. Jeder Spieler hält die linke Hand in die Mitte flach auf den Boden. Auf ein Zeichen der Spielleitung beginnen allen einen tiefen Ton zu summen. Ganz langsam lassen sie ihre Hände nach oben steigen, stehen dabei langsam auf und der gesummte Ton wird immer höher. Bis alle stehen und ihre Hände ganz weit oben sind, dann ist die Abschlussrakete abgeflogen.

 

Ziele:

• Zusammenspiel

• gemeinsamer Ausklang der Arbeitseinheit



7. Literatur:

  • Bany-Winters, Lisa: Theaterspieltraining für Kids- Bühne frei , Mühlheim an der Ruhr 2000.

  • www.till.ch, aufgerufen am 06.07.2015

  • www.grips-theater.de/theaterpaedagogik/downloads/Schatzsuchermaterial, aufgerufen am 06.7.2015

     

     

Quelle: www.schoolmester.de

Autor: Nina Englisch-Peterschewski

Lizenz: CC-SA-BY-NC

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